Abschluss E-Learning-Roadshow: kollaboratives und arbeitsplatznahes Lernen sind Erfolgsgaranten

Berlin war am 12. November die letzte Station der E-Learning-Roadshow. Gemeinsam mit dem eComm Berlin, Kompetenzzentrum im Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr konnten wir im Ludwig Erhard Haus knapp 50 Teilnehmer begrüßen.

Da es sich um unsere Abschlussveranstaltung handelte, haben wir das Programm im Vergleich zu den anderen Roadshow-Stationen etwas erweitert. Neben den bewährten Praxisanteilen ging es auch um den Stellenwert von E-Learning in der Weiterbildung aus unterschiedlicher Perspektive. Moderiert wurde die Veranstaltung von Liane von Billerbeck von Deutschlandradio Kultur. Hier findet man wie gewohnt, die Vortragsfolien zum durchblättern. Der Vortrag von Martin Lindner verfügt zusätzlich über Ton:

Nachfolgend möchte ich einige Aspekte aus den Vorträgen herausgreifen und kurz beschreiben. Nicht fehlen durfte zu Beginn ein Rückblick auf die früheren LERNET-Projekte, ohne die unser Projekt und damit auch die Roadshow nicht zustande gekommen wären.

LERNET 2.0 - E-Learning Roadshow, Abschlussveranstaltung 12.11.09, BerlinDr. Lutz P. Michel vom MMB-Institut aus Essen übernahm diesen Part. Neben D-ELAN und centrestage ist das MMB-Institut einer der Projektpartner von LERNET 2.0. Lutz Michel zitierte aus einer MMB-Studie von 2008, wonach 21% der KMU E-Learning bereits einsetzen. Interessanter für die Anbieter dürfte sein, dass von denen, die noch kein E-Learning einsetzen gut ein Drittel überlegt, es demnächst zu tun. Wir hoffen mit der Roadshow dazu einige Anstöße gegeben zu haben.

In Kombination mit dem Lernetblog haben wir auch viele Interessenten erreicht, die keine der Veranstaltungen besuchen konnten, wie Michel verdeutlichte. Den Blog werden wir auch zukünftig weiterführen. Zusätzlich wollen wir das Lernetwiki mit Informationsangeboten und Praxisbeispielen zum E-Learning in KMU ausbauen. Beispiel geben wollen wir auch damit, wie wir selbst die verschiedenen Social Software Tools einsetzen. So nutzen wir beispielsweise Microblogging für die interne Projektkommunikation und konnten den Email-Verkehr dadurch stark reduzieren.

LERNET 2.0 - E-Learning Roadshow, Abschlussveranstaltung 12.11.09, BerlinDie Frage nach der IT-Sicherheit stellt sich meist dann, wenn bei der Einführung von E-Learning Firmennetzwerke betroffen sind oder Mitarbeiter und Kunden ihre Daten preisgeben sollen. Andreas Gabriel, der im Begleitprojekt Sicherheit des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr mitarbeitet, stellte klar, dass IT-Sicherheit kein hemmender Faktor für E-Learning sein muss. Neben sicheren Geschäftsprozessen müssen allerdings auch für sichere Lernprozesse einige Punkte beachtet werden. Gefahren drohen z.B. durch Verlust oder Verfälschung von Nutzerdaten oder etwaiger Prüfungsdaten. Der Umgang mit Benutzerdaten muss geregelt sein. Ergebnisse einer Lernkontrolle dürfen z.B. nicht für die anderen Mitarbeiter einsehbar sein. Informationssicherheit, so Gabriel, basiert auf den drei Säulen „Datenschutz, Informationssicherheit und IT-Sicherheit“. Berücksichtigt man dies auch für ein E-Learning-Konzept wird IT-Sicherheit ein „grundlegender Faktor für E-Learning“ und damit zu einem Garanten für den Erfolg.

LERNET 2.0 - E-Learning Roadshow, Abschlussveranstaltung 12.11.09, BerlinDie Mediencommunity 2.0, „ein Lehr- und Lernportal“ im Internet für die Druckbranche stellte Dr. Anne König von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin vor. Die Druckbranche hat sich wohl wie kaum eine andere Branche durch die zunehmende Digitalisierung verändert. Standen vor dreißig Jahren Auszubildende noch in Maschinenhallen, dominiert jetzt der PC-Arbeitsplatz. Entsprechend hoch ist der Lern- und Weiterbildungsbedarf. Mit der Mediencommunity soll ein „Wissensnetzwerk der Druck- und Medienbranche“ entstehen. „Informieren – kooperieren – qualifizieren“ lautet der Ansatz des Online-Angebotes. Angesprochen sind sowohl Ausbilder, die sich vernetzen wollen, wie auch Lernende, die Gleichgesinnte zum Austausch suchen. Lerngruppen können sich selbst organisieren und gemeinsam mit Unterstützung eines Prüfungswiki lernen. Angeboten werden aber auch offene und geschlossene Lerngruppen mit Moderatoren. Ermöglicht wird die virtuelle Zusammenarbeit mit Adobe Connect und einer Moodle-Plattform mit Zusatzmaterial. Insgesamt ein vielversprechender Ansatz und ich bin gespannt, welche Erfahrungen wir daraus zukünftig hören werden.

Interessant, weil praxisnah in Arbeitsprozessen einsetzbar, ist das Sprachtraining mit Online-Videos, das Philip Gienandt von der LinguaTV GmbH aus Berlin LERNET 2.0 - E-Learning Roadshow, Abschlussveranstaltung 12.11.09, Berlinvorstellte. „We watch languages!“ lautet deren Motto. Maßgabe für die Erstellung der professionellen Sprachvideos ist die Authentizität in den dargestellten Berufssituationen. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter kann so kurzfristig und zielgenau lernen, z.B. wie man ausländische Kunden korrekt empfängt. Die Videos bieten interaktive Übungen und Möglichkeiten zur Lernkontrolle. Als einzelne Module können sie flexibel eingesetzt werden. Damit sind sie effizient und gut geeignet für den Einsatz auch in kleineren Unternehmen. Fast 80 % der Videos sind entsprechend der Nachfrage übrigens englischsprachig.

LERNET 2.0 - E-Learning Roadshow, Abschlussveranstaltung 12.11.09, BerlinEnglisch ist bekanntlich Weltsprache und Voraussetzung, damit Globalisierung funktioniert. Im Zeitalter der Digitalisierung kommt einer Breitbandverbindung ins Netz eine ähnlich zentrale Bedeutung zu. Dann gilt nach dem gleichnamigen Bestseller „The world is flat“ auch für das Lernen: „jeder kann mitspielen“, aber auch: „es gibt keinen klaren Lernplan mehr und damit gibt es Gewinner und Verlierer.“So die Einstiegsthesen von Dr. Martin Lindner aus Freising.

Lindner, kürzlich noch Initiator der Unkonferenz “Die Bildung hacken”, schlug in seinem Vortrag zum „Web 2.0 Weblernen & Social Business Design“ den Bogen von sich rasch ändernden Lernbedarfen hin zu „konkreten Ansätzen einer Qualifizierungsstrategie 2.0 in mittelständischen Unternehmen“. Lernen fließt zunehmend in den Arbeitsalltag hinein, jeder ist gefordert, sich sein „persönliches Lern-Ökosystem“ zu erstellen. Die Tools dazu kommen meist aus der Web 2.0-Welt. Lindner nannte einige Beispiele von Unternehmen, die diesen Weg konsequent eingeschlagen haben, wie z.B. die Synaxon AG oder Westaflex. Den gesamten Vortrag gibt es hier im Blog zum Nachhören.

LERNET 2.0 - E-Learning Roadshow, Abschlussveranstaltung 12.11.09, BerlinEine Podiumsrunde diskutierte zum Abschluss der Veranstaltung, ob „E-Learning Motor der Weiterbildung in KMU“ sein kann. Vertreten waren auf dem Podium Lutz P. Michel,; Michael Stamm, Dr. Martin Lindner und der kurzfristig eingesprungene Dr. Klaus Glasmacher vom BMWi. Moderiert wurde die Runde von Liane von Billerbeck. Einige der zentralen Aussagen nachfolgend zusammengefasst:

  • Ein besonderes Potenzial für KMU bei der Einführung von E-Learning bieten die Auszubildenden. Als „digital natives“ bringen sie erforderliche Kompetenzen mit. Eine Garantie für erfolgreiche Qualifizierungsansätze ist das aber nicht. Unternehmen und Lernkonzept müssen selbstgesteuertes Lernen unterstützen.
  • Der Überfluss der Informationen im Netz wirft die Frage nach wirksamen „Filtern“ auf. Expertennetzwerke können hier eine Antwort sein, z.B. wenn man Empfehlungen aus einer Online-Community nutzt.
  • Für maßgeschneidertes Lernen bieten Web 2.0-Tools in KMU sehr gute Möglichkeiten. Zu klären sind hier noch Fragen zur Qualität der Konzepte.
  • Web 2.0-Techniken sind noch jung und nicht im Mittelstand angekommen. Das ist keine Entscheidung gegen diese Tools, sondern liegt eher daran, dass sich der Mittelstand oft etwas Zeit lässt und neue Anwendungen eingehend prüft, bevor er solche Entwicklungen aufgreift. Nach Einschätzung der Podiumsrunde genau die richtige Strategie.

Weitere Fotos der Veranstaltung:

5 Tweets

5 Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mittels * markiert.

*
*

Additional comments powered by BackType