LERNET-Roadshow in Stuttgart: Web 2.0 und Blended Learning mit Potenzial

Am 9. Juli war Stuttgart Ziel unserer E-Learning-Roadshow. Kooperationspartner war das ECC Stuttgart (Electronic Commerce Centrum Stuttgart), Tagungsort die IHK Region Stuttgart. Rund 50 Interessenten waren gekommen, um sich über E-Learning aus erster Hand zu informieren. Dass die meisten von ihnen bis zum Ende der Veranstaltung blieben und sich rege an der Diskussion beteiligten, zeigt den hohen Informationsbedarf am Thema.  Stuttgart bot neben einem Überblicksvortrag zu E-Learning, wie gewohnt vorgestellt durch das LERNET-Team, eine große Bandbreite an Beispielen von Einsatzmöglichkeiten und konzeptionellen Ansätzen.

Einiges davon möchte ich nachfolgend kurz vorstellen. Alle Vorträge finden Sie im Blog zum Nachlesen oder Download.

Im ersten Teil der Veranstaltung stand das Web 2.0 im Mittelpunkt. Dr. Martina Göhringc, centrestage GmbH aus Esslingen und Projektpartner bei LERNET 2.0, zeigte, wie man Web 2.0-Anwendungen zum Lernen nutzen kann. Drei Anwendungen, die wir auch innerhalb unseres Projektes nutzen, stellte sie dabei ins Zentrum: Microblogging, Twitter und Social Bookmarking.

Dr. Martina Göhring, Centrestage GmbHDie Nutzung von Informationen aus Blogs stößt fast durchweg auf Akzeptanz, wie eine Frage an das Publikum ergab. Mehr noch: immer mehr Teilnehmer betreiben mittlerweile selbst einen Blog. Im Unterschied zu einem öffentlichen Blog kann Microblogging im Projekteinsatz zu einer deutlich verbesserten Kommunikation und Dokumentation eingesetzt werden, z.B. als E-Mail-Ersatz. Die Vorteile von Microblogs im Projekteinsatz sind :

(1) aktuelles und vollständiges Wissen jederzeit für jeden verfügbar,
(2) Basis für informelles Wissen,
(3) Wissensquelle zur Recherche.

Twitter ist durch zahlreiche Medienberichte in den vergangenen Monaten den meisten bekannt. Frau Göhring zeigte, dass man den Kurznachrichtendienst nicht nur zur Informationsverbreitung verwenden kann, sondern sich damit auch ein Expertennetzwerk aufbauen lässt. Dann kann man gezielt Themen recherchieren, frühzeitig Trends erkennen und Expertenanfragen starten. Der Weiterbildungsblog listet z.B. eine Reihe von E-Learning Professionals in Twitter auf.
Dritte Anwendung in der Reihe war Delicious, bekannt als Tool zum kollektiven Bookmarking. Verwendet werden kann es auch zum Aufbau von Wissensressourcen. Durch das systematische Teilen von Inhalten mit Kategorien und Tags lässt sich ein Expertennetzwerk aufbauen. Gleichzeitig werden die Empfehlungen dieser Experten zur eigenen Nutzung zugänglich.

Dr. Josephine Hofmann, Fraunhofer IAOWeiter ging es mit dem Vortrag von Frau Dr. Josephine Hofmann, Fraunhofer IAO, Stuttgart, über „Selbstorganisiertes Lernen 2.0 – Berufsausbilder des ETZ erstellen gemeinsam Lernmedien.“

Das Vorhaben ist Teil eines Projektes, in dem es darum geht, „Potenziale für selbstorganisiertes Lernen“ abzuschätzen und neben einem didaktischen Konzept auch eine geeignete „technologische Plattform“ zu entwickeln. Pilotgruppe bilden die Teilnehmer des Kurses Berufspädagoge am ETZ.
Genutzt werden Blog, Wiki („kollaboratives Autorensystem“) und das bereits beschriebene Microblogging. Gemeinsam sollen über diese Wege Lernmedien für die Berufsausbildung erstellt werden. Idee ist es, die Wissensträger (u.a. Berufspraktiker) stärker in die Produktion von Lernmedien einzubinden. Ein vielversprechender Ansatz wie ich finde und wir werden hier im Blog über den weiteren Projektverlauf und Ergebnisse berichten.

Ulrich Winchenbach, MFG StuttgartNach einer kurzen Pause ging es im zweiten Veranstaltungsteil um die E-Learning-Praxis. Den Anfang machte hier Ulrich Winchenbach, MFG Stuttgart, mit dem Vortrag „Virtuelle Seminare für betriebliche Weiterbildung nutzen“.

Die MFG Stuttgart bietet seit November 2008 Live-Online-Seminare (Webinare) an. Bislang fanden neun Seminare zu Themen wie „Effektive Meetings“, „Mindmapping“ oder „Kompetenzmodellierung in der Personalentwicklung“ statt, die alle auf eine sehr gute Resonanz stießen.
Herr Winchenbach stellte die Vorteile der Webinare gegenüber Präsenzseminaren heraus. Dazu gehören z.B. der Wegfall von Reisekosten und -zeiten oder die einfache Aufzeichnung der Session für eine spätere Nutzung.
Eine Umstellung ist es für die Trainer, die vom Präsenzseminar nun in den virtuellen Klassenraum wechseln. Interessantes dazu gibt es unter www.teletutoren.net und www.dd-learn.de.

Dr. Herbert Müller Philipps Sohn (FBD Bildungspark) und Barbara Schlittenhardt (Sportakademie Baden-Württemberg)„Online zum Wellness- und Bewegungstrainer (STB) war Thema von Dr. Herbert Müller Philipps Sohn, FBD Bildungspark, Stuttgart und Babara Schlittenhardt von der Sportakademie Baden-Württemberg.
Mit einem Blended Learning-Konzept sollte eine berufsbegleitende Weiterbildung optimiert werden. Entstanden ist eine Melange aus CBT, virtuellem Seminarraum, einer gemeinsamen Kommunikationsbasis und Präsenzphasen.
Als LMS wurde das Open Source-Produkt Sakai verwendet. Die Referenten hoben die Bedeutung einer klaren zeitlichen Strukturierung des Lernprozesses im Team hervor. So werden einzelne Lernmodule nur für einen bestimmten Zeitraum freigeschaltet. Diese zeitlichen Vorgaben haben sich als wichtiges Instrument erwiesen, um den Lernprozess zu unterstützen. Zeitlich flexibel, aber innerhalb eines fixen Zeitraumes, kann auch die Onlineprüfung abgelegt werden. Dieses Vorgehen wurde von den Teilnehmern sehr gut angenommen.
Verantwortlich dafür ist aus Sicht von Dr. Müller Philipps Sohn auch die umfassende technische und inhaltliche Unterstützung und die Möglichkeit der Teilnehmerkommunikation.

Bettina Kötteritz (Roto Franck AG) und Herbert Pfeiffer (Know How! AG)Zum Abschluss der Veranstaltung verrieten Bettina Kötteritz, von der Roto Frank AG und Herbert Pfeiffer, vom E-Learning-Anbieter Know How! AG „Das Erfolgsrezept für E-Learning. Implementieren – Etablieren – Optimieren“.
Ziel bei Roto war, für ein heterogenes Vertriebsteam weltweit eine einheitliche Qualifizierung zu implementieren. Gewählt wurde ebenfalls ein Blended Learning Konzept: 8 Stunden Online-Lernzeit in 6 Wochen. Lernzeit gilt als Arbeitszeit und wird typischerweise am Abend oder Wochenende realisiert. Die Online-Inhalte werden in vier “Darreichungsformen” angeboten: schlank, optimiert, komplex und high-end.
Betont wurde generell die Bedeutung von Individualisierung und Bedarfsorientierung beim Einsatz von E-Learning im Unternehmenskontext. Aber gerade hier liegen ja die Stärken und Vorteile des elektronischen Lernens.
Bei der Einführung wurde sehr viel Wert auf Akzeptanzförderung gelegt. Neben Information und Kommunikation, einer Feedbackauswertung, gibt es individuelle Betreuung und Unterstützung durch Key-User.
Bemerkenswert auch, dass E-Learning bei der Roto AG im Bereich Marketing angesiedelt ist und nicht im HR Bereich. Die Kooperation und Vernetzung der einzelnen Fachbereiche war gleichzeitig einer der Erfolgsfaktoren und trug zur Qualitätssicherung und zur Etablierung von Workflows zur Inhalteproduktion bei.
Zukünftig plant Roto ein erweitertes Angebot an Online-Kursen für Kunden, zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter und in der Ausbildung. Dann spielen vielleicht auch Web 2.0-Anwendungen eine Rolle. Bislang existieren nur klassische Feedbackschleifen über Foren.

Weitere Fotos der Veranstaltung bei:

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