Erfolgsfaktoren für E-Learning im Mittelstand – ein Beispiel aus der Praxis

„Wie können Barrieren zur Nutzung der elektronischen Medien in der Qualifizierung abgebaut werden?“ So lautete der Titel eines Fachworkshop, zu dem das WebKollegNRW diese Woche nach Düsseldorf eingeladen hatte. Die Frage beschäftigt ja nicht nur E-Learning Anbieter, sondern auch die Personalverantwortlichen der Unternehmen, die E-Learning in ihrer betrieblichen Weiterbildung einsetzen wollen. Vorgestellt wurde u.a. wie ein mittelständisches Unternehmen ein Blended-Learning-Konzept in der betrieblichen Praxis umgesetzt hat. Auch wenn das Konzept auf den ersten Blick wenig Überraschendes bietet, könnte für andere KMU interessant sein, welche Erfolgsfaktoren das einführende Unternehmen selbst als relevant identifiziert hat.

Die Gerry Weber AG mit Sitz in Halle/Westfalen bietet ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit rund drei Jahren die Möglichkeit an, sich via E-Learning weiterzubilden. Das Angebot umfasst derzeit die Themen Englisch (die Firma hat mehrere internationale Standorte) und MS-Office. Konzipiert ist es klassisch als Blended-Learning mit einem Learning Management System (LMS) und am Markt eingekauften Standard-Produkten. Die Teilnahme steht allen Beschäftigten offen und ist freiwillig. Gelernt werden kann vor, während und nach der Arbeit. Dazu wurde eigens ein PC-Raum eingerichtet, damit ungestört gelernt werden kann. Die Lernzeit selbst zählt allerdings nicht als Arbeitszeit. Trotz dieser Einschränkung wird das Angebot bislang sehr gut angenommen. Besonders die Flexibilität – zu lernen, wenn es der Arbeitsalltag erlaubt und Kurse z.B. bei kurzfristigen Auslandsreisen auch einmal zu unterbrechen – wird als sehr positiv bewertet.

Nach Auswertung von Teilnehmerbefragungen und den Erfahrungen der Personalverantwortlichen sind für den Erfolg mehrere Faktoren wesentlich. Die wichtigsten möchte ich kurz vorstellen:

  • Auswahl der Produkte: die Lernprogramme vorab gründlich auf Ihre Funktionalitäten und Nutzerfreundlichkeit hin prüfen und vergleichen, um die für die eigenen Bedarfe am besten geeignete Anwendung zu finden;
  • Klärung technischer Details: mit allen Teilnehmern werden in einem Präsenztermin technische Details zur Nutzung der Programm geklärt. Jeder Teilnehmer soll zu Beginn seines Kurses PC und Programm sicher bedienen können;
  • Flexibles Lernen: gelernt werden kann jederzeit, wenn es der Arbeitsalltag erlaubt;
  • Blended-Learning-Konzept: Präsenzphasen sind elementar für die Akzeptanz und Motivation;
  • Betreuung durch Tutoren: eine Ansprechperson in allen Phasen der Kurse zu haben, hat sich für die Teilnehmer als äußerst wichtig erwiesen. Vor Beginn und während der Kurse findet eine regelmäßige Abstimmung zwischen den Tutoren statt, um ein gleichbleibendes Betreuungs-Niveau zu halten;
  • Unterstützung durch die Geschäftsführung: einer der Erfolgsfaktoren schlechthin. Bei Gerry Weber war und ist dies gegeben.

Fazit: auch wenn E-Learning bislang nur einen kleinen Anteil an der gesamten Weiterbildung bei Gerry Weber einnimmt, ist das Thema jetzt präsent im Unternehmen und ein erster Schritt gemacht. Eine zukünftige Erweiterung profitiert dadurch von einer deutlich verbesserten Ausgangslage.

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